Holzmodulbau mit über 1.000 Holzmodulen – Zollhochschule in Rostock

Den Neubau der Zollhochschule des Bundes in Rostock wird von einem Joint Venture aus Kaufmann Bausysteme und Primus Developments den Holzhybrid-Campus nach einem Entwurf der Berliner Architekten Sauerbruch Hutton realisieren. Die Ausbildungsstätte im Rostocker Ortsteil Lichtenhagen wird Platz für 600 Studierende des Zolls bieten.

Der Campus in Rostock-Lichtenhagen an der Möllner Straße 10-12 soll sich dabei in zwei Nutzungsbereiche gliedern:

  • ein zentrales viergeschossiges Hochschulgebäude mit insgesamt 24 Lehrsälen, 2 Hörsälen, 48 Gruppenarbeitsräumen und einer Bibliothek sowie einer Mensa, aber auch Büro- und Verwaltungsbereichen und
  • zwei siebengeschossige Wohngebäude mit Wohn- und Aufenthaltsbereichen, die Platz für 620 Unterkünfte bieten.

Es werden auf dem Gelände eine ausreichende Anzahl an PKW- und Fahrradstellplätzen sowie Stellplätze mit E-Ladesäulen geschaffen.

Die Bruttogeschossfläche beträgt ca. 40.000 Quadratmeter, der Raumbedarf umfasst etwa 19.000 Quadratmeter.

Zollhochschule Rostock
Mit über 1.000 Holzmodulen wird der Campus der Zollhochschule in Rostock in Holzhybridbauweise realisiert. Grafik: Sauerbruch Hutton

Joint Venture erhält den Zuschlag über das 230 Millionen Bauprojekt als Holzmodulbau

Nach dem etwa einjährigen Auswahlverfahren zur sogenannten Zollhochschule bekam die Bietergemeinschaft aus dem österreichischen Holzmodulbauer Kaufmann Bausysteme und dem Hamburger Projektentwickler Primus Developments mit einem Entwurf der Berliner Architekten Sauberbruch Hutton den Zuschlag als Totalübernehmer.

Das Trio Kaufmann Bausysteme GmbH, Sauerbruch Hutton und Primus Developments realisierte zuletzt den Luisenblock West mit 400 Büros für den Deutschen Bundestag – ebenfalls in Holzmodulbauweise. Das Pilotprojekt für die Kooperation war das Studentenwohnheim Woodie, das 2016 mit 371 Apartments in Hamburg-Wilhelmsburg entstand.

Laut offizieller Mitteilung überzeugte das Konzept für die Zollhochschule in Rostock besonders mit Nachhaltigkeit und der vorhandenen Produktionskapazität. Bis September 2025 sollen bereits alle Module fertig ausgeliefert werden – 2.500 Kubikmeter Holz verteilt auf 1000 Holzmodule. Produziert wird im Werk Berlin-Köpenick wie auch bereits die HOMEB Module für den Schulhausbau in Berlin von Kaufmann Bausysteme.

„Das ist mit einem Investitionsvolumen von 230 Mio. Euro das derzeit größte Bauprojekt in Rostock“, erläuterte Heiko Geue (SPD), Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern. Die Bauarbeiten für den Campus der Zollhochschule starten voraussichtlich im März 2024 auf dem 3 ha großen, früheren Areal des Instituts für Grundschulpädagogik der Universität Rostock.

Erhalt von Wohnheimen durch Sanierung möglich und Neubau von Gebäuden erforderlich

Bis auf zwei sanierte Studentenwohnheime an der Südostseite des Grundstücks werden die weiteren Bestandsgebäude in naher Zukunft abgerissen. Der zunächst geprüfte Erhalt weiterer Gebäudeteile sei aufgrund der schlechten Bausubstanz sowie der Verwendung von Asbest nicht möglich gewesen, erklärte Carmen-Alina Botezatu, Leiterin des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamts (SBL) des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Rostock, im Vorfeld der Wettbewerbsvorstellung gegenüber der Ostsee-Zeitung.

Zollhochschule Rostock
Ausschlaggebend für die Vergabe waren die hohe Nachhaltigkeit, ein außergewöhnlicher Entwurf und die Lieferkapazität. Grafik: Sauerbruch Hutton

„Die Hochschule soll ein modernes, positives und inspirierendes Leuchtturmprojekt für Nachhaltigkeit und die Aufwertung des Stadtteils Lichtenhagen werden.“ Damit will Botezatu auch das schlechte Image des Stadtteils Lichtenhagen aufwerten, der bundesweit primär durch die rassistischen Ausschreitungen 1992 an der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber bekannt ist.

Holzmodule aus Berliner Produktion von Kaufmann Bausysteme „Just-in-time“

Beim Lehrgebäude wird das Erdgeschoss als Holzingenieurkonstruktion errichtet, auf der die Obergeschosse mit gespiegelt kammartigen Grundrissen aus gestapelten Holzmodulen entstehen. „Wir haben beim Lehrgebäude den Holzanteil – etwa im Vergleich zu den Wohnheimbauten – noch einmal um 20% bis 30% erhöht“, erklärte Achim Nagel, geschäftsführender Gesellschafter von Primus Developments.

Für die beiden Wohnheimbauten werden das Sockelgeschoss sowie die Erschließungskonstruktion in Stahlbeton gefertigt. Die Unterkünfte selbst bestehen aus 600 Einzelzimmern – ein Zimmer ein Modul – sowie 20 Sondermodulen für Familien oder für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Die Holzmodule werden aus Brettsperrholz in der Kaufmann-Produktion in Berlin vorgefertigt und via Lkw just-in-time zur Montage nach Rostock gefahren. Unter dem erhöhten, begrünten Hof zwischen den Wohnriegeln werden Pkw-Stellplätze untergebracht.

Achim Nagel von Primus Developments: „Wir sind sehr glücklich, gemeinsam mit unserem langjährigen Partner Kaufmann Bausysteme den Zuschlag zu diesem besonderen Projekt erhalten zu haben. Mit dem Neubau der Hochschule des Bundes entsteht in innovativer Holzmodulbauweise ein ökologisches Unikat. Durch den außergewöhnlichen Entwurf von Sauerbruch Hutton wird das Projekt auch architektonisch überregionale Strahlkraft entwickeln. Rostock-Lichtenhagen wird mit der Zollhochschule einen neuen, zukunftsweisenden Impuls erhalten und ein Beispiel für das Bauen der Zukunft sein.“

Quellen: Kaufmann Bausysteme, Primus Developments, Ostsee-Zeitung, Holzbauwelt.de.

Doppelter Förderaufruf zur Holzbauinitiative: Laubholz im Holzbau und Sanieren mit Holz

Seit dem 01.04.2024 gibt es eine Förderung für den Einsatz von Laubholz beim konstruktiven Holzbau durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Das Bauen mit Holz trägt durch die langfristige Kohlenstoffbindung und Substitutionseffekte zur Reduktion der CO2-Emissionen und damit zum Klimaschutz bei.

Der Waldumbau zu klimaresilienten Wäldern führt mittel- bis langfristig zu einem höheren Laubholzangebot und damit zukünftig zu einem veränderten Rohstoffangebot für die heimische Holzwirtschaft. Bei einem zurückgehenden Angebot an Nadelholz wird deutlich mehr Laubholz, insbesondere Buchenholz, auch in geringeren Dimensionen anfallen.

Heute wird bereits fast doppelt so viel Laubholz aus den Wäldern entnommen wie noch vor 20 Jahren und aktuell im Wesentlichen zu energetischen Zwecken genutzt. Insbesondere hier bestehen Potentiale, heimisches Laubholz durch eine höherwertige stoffliche Verwendung mit der Möglichkeit zur Kaskadennutzung und Kreislaufführung einzusetzen.

Es gilt, eine verstärkte Laubholzverwendung im Holzbau zu fördern und dabei die großen Herausforderungen, die sowohl an die Wald- und Holz- als auch an die Bauwirtschaft gestellt werden, zu adressieren. Dieser Prozess erfordert ein gemeinsames Engagement aller Akteure, um das Bauen mit Holz über die nächsten Jahrzehnte hinaus steigern zu können.

Auf Grundlage der Ergebnisse der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Studie „Laubholzproduktmärkte“ und der im Rahmen der „Charta für Holz 2.0“ erarbeiteten Empfehlungen konnte Bedarf an FuE und Projekten mit Modellcharakter identifiziert werden. Diese münden in den vorliegenden Förderaufruf „Steigerung des Einsatzes von Laubholz im konstruktiven Holzbau“, der ein Beitrag zur Holzbauinitiative der Bundesregierung ist. Zudem trägt der Aufruf zur Umsetzung der strategischen Forschungsbereiche „Verringerung der Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft“ und „Nutzung und Bereitstellung erneuerbarer Energien in der Land- und Forstwirtschaft“ der Mission „Klimaneutralität bis 2045“ aus dem aktuellen Forschungsplan des BMEL bei.

In der folgenden Übersicht wird der notwendige Forschungsbedarf spezifiziert und muss zwingend bei der Einreichung von Skizzen beachtet werden. Hier ist der komplette Aufruf des BMEL zur Förderung des Laubholz-Einsatzes beim konstruktiven Holzbau mit Hinweis auf das Skizzenformular. Einreichungsfrist für die Förderung „Steigerung des Einsatzes von Laubholz im konstruktiven Holzbau“ mit Skizzen bis spätestens bis 30.09.2024.

Holzbau
Mit einem am 1. April 2024 gestarteten Förderaufruf zur Holzbauinitiative will das BMEL den Einsatz von Laubholz im konstruktiven Holzbau voranbringen. Quelle: FNR/ Jörg Böthling

Sanieren und modernisieren mit Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen

Der Bausektor ist eine Schlüsselindustrie und gleichzeitig weltweit einer der Hauptprodu­zenten von Abfall und CO2. In Deutschland verursachen der Bau und Betrieb von Gebäuden fast 41 Prozent der Treibhausgas(THG)-Emissionen. Hier liegt also ein bedeutender Hebel, um die deutschen Klimaziele, bis 2045 treibhausgasneutral zu sein, zu erfüllen. Um dies zu erreichen, sind weitreichende und schnelle Maßnahmen dringend notwendig – insbesondere beim Betrieb, der Bausanierungen und der Modernisierung von Bestandsgebäuden.

Besonders die Modernisierung und Sanierung von Bestandsgebäuden bieten große Potenziale, den Energiebedarf und damit auch den Ausstoß von klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig zum geringen Flächenverbrauch durch Verzicht auf Neubau beizutragen.

In Deutschland gibt es ca. 22 Millionen Gebäude. Da viele dieser Gebäude bereits eine lange Nutzungsdauer vorweisen und vor der ersten Wärme­schutzverordnung (WärmeschutzV – 1977) errichtet wurden, entspricht deren Energieeffizienz nicht dem aktuellen bzw. notwendigen Wert, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen.

Schätzungen gehen davon aus, dass daher etwa drei Viertel der Gebäude in den nächsten Jahrzehnten energetisch saniert werden müssen. Die aktuelle durchschnittliche jährliche Sanierungsrate von ca. 1 % steht jedoch der notwendigen Sanierungsrate von 1,8 – 2 % gegenüber. Daher muss diese Quote deutlich erhöht werden, um die Energieeffizienz zu verbessern und ein zusätzliches CO2-Minderungspotenzial zu erschließen.

Holzbau
Förderaufruf zum klimafreundlichen Sanieren und Modernisieren von Bestandsgebäuden mit Holz und weiteren natürlichen Rohstoffen. Quelle: FNR/ Peter Eichler

Ziel des Förderaufrufs ist die Stärkung des klimafreundlichen Sanierens und Modernisierens von Bestandsgebäuden durch den verstärkten Einsatz des Baustoffs Holz und weiterer nachwachsender Rohstoffe und Materialien für den Baubereich (u.a. Stroh, Hanf, Paludi). Hierfür sollen FuE-Vorhaben und Projekte mit Modellcharakter durchgeführt werden. Ein besonderes Augenmerk der Entwicklungen und des Wissentransfers soll auf der Wirtschaftlichkeit für die Anwender, der einfachen Umsetzbarkeit, der Recyclingfähigkeit der Produkte am Ende ihres Lebenszyklus sowie zirkulären Strategien liegen. Mit dem Förderaufruf wird ein Beitrag zu der Holzbauinitiative der Bundesregierung geleistet. Zudem trägt der Aufruf zur Umsetzung der strategischen Forschungsbereiche „Verringerung der Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft“ und „Nutzung und Bereitstellung erneuerbarer Energien in der Land- und Forstwirtschaft“ der Mission „Klimaneutralität bis 2045“ aus dem aktuellen Forschungsplan des BMEL bei.

Einreichungsfrist für die Förderung des klimafreundlichen Sanierens und Modernisierens von Bestandsgebäuden durch den verstärkten Einsatz des Baustoffs Holz und weiterer nachwachsender Rohstoffe und Materialien für den Baubereich (u.a. Stroh, Hanf, Paludi) mit Skizzen bis spätestens bis 31.07.2024.

Mehr Holzbau für den Klimaschutz – kommunales Info-Tool

Das kommunale Informationssystem Holzbau verbindet die Kombination von Geo- und Ökobilanzdaten für kommunale Entscheider. Kommunen können über den Bausektor ganz erhebliche Treibhausgas(THG)-Einsparungen erzielen, indem sie Vorgaben für klimafreundliche Baustoffe machen. Das neue Informationssystem Holzbau-KIS, das die Ruhr-Universität Bochum und die Disy Informationssysteme GmbH derzeit entwickeln, unterstützt Kommunen bei entsprechenden Planungen: Es weist das konkrete Klimaschutzpotenzial durch Holzbau für verschiedene Szenarien in den Bereichen Neubau, Sanierung, Nachverdichtung und Aufstockung ausgewählter Kommunen aus.

Das Vorläuferprojekt Holzbau-GIS erhielt am 4. Dezember 2023 den Nachhaltigkeitspreis der Initiative Humboldtⁿ, einer Nachhaltigkeitsinitiative der nordrhein-westfälischen Universitäten (https://humboldt-n.nrw/). Die Weiterentwicklung zum Holzbau-KIS läuft nun bis 2026 und wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.

Kommunales Tool weist Klimaschutz-Beitrag des Bauens und Sanierens mit Holz aus

Kommunen haben bei der Städteplanung den Hut auf und können in dieser Funktion wichtige Weichen für den Klimaschutz stellen, insbesondere, wenn sie Eigentümer der Baugrundstücke sind. Ein Beispiel dafür ist das Quartier Prinz-Eugen-Park in München. Die Stadt knüpfte die Vergabe einer ökologischen Mustersiedlung innerhalb des Gebietes u. a. an das Kriterium einer hohen Kohlenstoffspeicherung, wie sie insbesondere der Baustoff Holz leistet. Im Ergebnis entstand die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands mit 566 Wohnungen in Holz- und Holz-Hybrid-Bauweise. Den Klimaschutzbeitrag solcher Quartiere, aber auch einzelner Gebäude konkret quantifizieren zu können, das wird mit dem Kommunalen Informationssystem Holzbau (Holzbau-KIS) möglich sein. Die generierten Daten können als Entscheidungshilfe, zur Integration in kommunale Klimaschutzkonzepte und der Kommunikation dienen.

Holzbau
Die Transformation in der Bauwirtschaft durch den mehrgeschossigen Holzbau stärkt die notwendige Dekarbonisierung. Foto: Holzbauwelt.de

Die Ausgangsbasis für das Projekt Holzbau-KIS stellt das im Vorläuferprojekt entwickelte Fachinformationssystem Holzbau-GIS dar. Holzbau-GIS wurde als Prototyp auf Basis öffentlich zugänglicher Geodaten aus Nordrhein-Westfalen und lokaler Datensätze der Stadt Menden entwickelt. In dem webbasierten Kommunikationstool werden räumliche Fachdaten mit Gebäudetypologien, baulicher Struktur und THG-Minderungspotenzialen verbunden und ermöglichen damit die Verknüpfung von Baumaßnahmen mit Klimaschutzzielen. Außerdem wendet das Tool normkonforme Berechnungsmethoden auf Gebäudeebene, analog der Grundsystematik im Qualitätssiegel Nachhaltige Gebäude (QNG), an.  Die verwendeten Daten stammen aus der ÖkoBauDat, der Datenbasis für die Ökobilanzierung von Bauwerken des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Im aktuellen Projekt soll anhand weiterer Städte eine Anpassung an andere landes- und kommunenspezifische Datensätze erfolgen. So soll überprüft werden, welche Daten vorliegen und welche Anpassungen erforderlich sind, um das System auch bundesweit einsetzen zu können.

Auf technischer Seite sollen zudem Performance-steigernde Optimierungen des webbasierten Tools realisiert werden, indem der Übergang zur aktuellsten Version der Software disy Cadenza Plattform für Business & Location Intelligence geschaffen wird. Besonderes Augenmerk liegt auf verständlicher Darstellung und guter Bedienbarkeit trotz umfangreicher Analyse- und Planungsfunktionalitäten.

Holzbau
Nachhaltiges Bauen durch eine Parkplatzüberbauung als Holzhybridbau vom Dantebad II in München durch den modernen Holzbau. Foto: Huber & Sohn

Während sich das Holzbau-GIS auf die Themen Neubau und Sanierung mit Holz bezog, ergänzen die Forschenden im neuen Holzbau-KIS Szenarien zur Aufstockung, Nachverdichtung und zu ausgewählten Nichtwohngebäuden, hier vor allem kommunale und öffentliche Gebäude, mit Holz. Hinzu kommt das Thema Blau-Grüne Infrastruktur – der Begriff beschreibt den Ansatz, über Entsiegelung, Anlegen von Versickerungs- und Grünflächen oder wasserspeichernde Elemente zunehmende Wetterextreme im Klimawandel abzufedern.

Das Holzbau-KIS geht damit über das Holzbauthema hinaus und wird zum kommunalen Planungswerkzeug für Klimaschutz- und Klimafolgenanpassung. Bereits im ersten Projekt hatte sich gezeigt, dass das System für Kommunen noch interessanter ist, wenn es weitere Informationen für die kommunale Bauleitplanung oder andere ökologisch-relevante Fachplanungen verarbeiten und bereitstellen kann.

Zusammenfassung: Das Klimaschutzprojekt “Kommunales Informationssystem Holzbau (Holzbau-KIS)” hat als Ziel, das Potenzial einer stofflichen Nutzung von Holzprodukten im Bauwesen als zusätzliche Klimaschutzmaßnahme für Kommunen darzustellen und praktisch handhabbar zu machen. In verschiedenen Szenarien werden realisierbare Potenziale für THG-Einsparungen durch Bauen und Sanieren mit Holz projiziert. Ein im Forschungsvorhaben Holzbau-GIS, anhand der Stadt Menden, entwickeltes GIS-basiertes Fachinformationssystem soll um weitere Szenarien (Aufstockung und Nachverdichtung) sowie thematisch assoziierte Themengebiete (Blau-Grüne Infrastruktur) ergänzt werden. Zusätzlich soll seine Anwendung auf ausgewählte Nichtwohngebäude ausgeweitet werden. Die Ergebnisse zeigen sowohl die Kohlenstoffspeicherung im Holzwerkstoff als auch das Substitutionspotenzial durch den Ersatz von Bauteilen in mineralischer Bauweise durch Holzkonstruktionen.

Kooperation mit: Umwelt + Ökologie im Bauwesen, Ruhr-Universität Bochum und Disy Informationssysteme GmbH, 2023-2026. Fördergeber: BMEL über FNR

Anfragen zu bevorstehenden Planungen für kommunale Bauprojekte in Holz- oder Holzhybridbauweise zur Unterstützung gerne an info(at)holzbauwelt.de

Quellen: fnr.de / holzbauwelt.de

Holzbau wird eine große Zukunft haben – neue Produktionshalle von Timber Homes

Mit der Aussage von Bundesbauministerin Klara Geywitz „Holzbau wird eine große Zukunft haben“ anlässlich der Einweihungsfeier der neuen Produktionshalle für Holzmodulelemente der Firma Timber Homes in Dorfen / Oberbayern, erfreute sie die zahlreichen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kunden des Unternehmens. Dass der Holzmodulbau eine wichtige Entwicklungsstufe in der Bauindustrie darstellt, unterstrich sie zudem mit dieser Aussage nachdrücklich.

Der serielle Holzmodulbau ermöglicht die effiziente Schaffung von dringend benötigtem nachhaltigen Wohnraum. Dabei werden die Holzmodule ausschließlich in der Produktionshalle des Holzbau-Unternehmens Timber Homes vorgefertigt und mit wettergeschützter Folie verpackt per LKW auf die Baustelle befördert. Hier werden die vorbereiteten Holzmodule durch die Zimmerer- und Montageleute millimetergenau an die richtige Stelle per Kran dirigiert und auf der Bodenplatte fix montiert. So entstehen Kindergärten, Schulen, Mitarbeiterwohnungen und Wohngebäude in serieller Holzmodulbauweise.

Timber Homes
Seriell vorgefertigte Raummodule in Holzbauweise werden komplett in der neuen Produktionshalle von Timber Homes gefertigt. Foto: Sigurd Maier / Holzbauwelt.de

In der neuen Produktionshalle auf dem ehemaligen Ziegeleigelände in Dorfen des Investors Rober Decker hat Timber Homes jetzt die optimale Möglichkeit täglich bis zu vier fertig installierte Wohnbaumodule herzustellen. Frau Geywitz reagierte im Beisein der beiden Geschäftsführer, Josef Huber von Huber & Sohn GmbH & Co. KG, Bachmehring und Robert Decker, Inhaber der Decker Group spontan: „hier entsteht genau das, von dem ich die ganze Zeit rede“ und outete sich als Fan der Holzmodulbauweise.

Serielle Modulfertigung ermöglicht effiziente Bauweise

In ihrer Rede vor 200 geladenen Gästen sagte die Ministerin Geywitz, dass heutzutage der Bausektor ein großer CO2-Emittent sei. Doch durch Holzbau könne das klimaschädliche CO2 bzw. der Kohlenstoff sogar in der Bausubstanz gespeichert werden. Die serielle Fertigung von Holzmodulen entspreche zudem dem Industriezeitalter. Damit seien dringend nötige Effizienzsteigerungen zu erreichen. „Wenn wir weiter so bauen wie bisher, brauchen wir 33 Prozent mehr Fachkräfte. Aber wo sollen wir die herbekommen?“, sagte Geywitz zum Ziel der Bundesregierung, 400 000 Wohnungen im Jahr zu bauen, 300 000 habe man nur geschafft.

Robert Decker erwähnte in seiner Begrüßungsrede unter anderem: „Wir kommen weg von unserer Manufaktur zur industriellen Modulfertigung“ und ergänzte „in der alten Halle haben wir noch jedes Modul per Hand geschoben.“ Und trotzdem seien dort bereits 25 000 Quadratmeter Wohnfläche schlüsselfertig produziert worden. Die beiden Geschäftspartner von Timber Homes wollen sich neben den bereits in Holzmodulbauweise errichteten Wohnanlagen, Kindergärten, Mitarbeiterwohnungen auch den technischen Herausforderungen mit dem Bau eines achtgeschossigen Gebäudes komplett mit Massivholzmodulen inklusive Aufzugsschacht und Treppenhaus stellen. Außerdem soll auch das Segment Reihenhaus vorgefertigt aus drei bis fünf Modulen im neuen Werk angegangen werden.

Timber Homes
Bundesbauministerin Klara Geywitz war der Hauptgast bei der Einweihung der neuen Produktionshalle von Timber Homes in Dorfen. Foto Sigurd Maier / Holzbauwelt.de

Timber Homes im Austausch mit der Politik

Bei der Führung durch die Produktionsstraße von Timber Homes setzten die Holzbauer, Abgeordnete und Ministeriumsvertreter/innen ihre Fachgespräche fort. Ingrid Simet, Ministerialdirektorin im bayerischen Bauministerium, bekam von Decker ein Lob für die neue Holzbaurichtlinie im Freistaat. Eine Hausaufgabe für Bund und Land formulierte der Unternehmer dann aber auch gleich. „Man muss von der gewerkeweisen Ausschreibung wegkommen“, sagte er im Hinblick auf die Vergaberichtlinien bei öffentlichen Bauten. Denn die Module von Timber Homes kommen gefliest, gestrichen, eingerichtet und mit kompletter Badinstallation auf den Baustellen an. „Wir überarbeiten gerade die Vergaberichtlinien“, erwiderte Geywitz.

Josef Huber, Geschäftsführer von Timber Homes und dem Holzbau-Unternehmen Huber & Sohn in Bachmehring als auch Robert Decker hatten sich bereits im Vorfeld der Veranstaltung mit wichtigen Themen präpariert, so dass sie den politischen Verantwortungsträgern wichtige Impulse aus den Problemen des Mittelstands mit auf den Weg geben konnten. Bedingt durch den Fachkräftemangel landauf landab benötigen Unternehmen auch zwingend Mitarbeiterwohnungen um überhaupt welche gewinnen zu können. Was läge da näher, als im unmittelbaren Umfeld des Gewerbebetriebes wo ohnehin oft Baufläche vorhanden ist, Wohngebäude im Gewerbegebiet für Mitarbeiter/innen zur Verfügung stellen zu können, zeitlich begrenzt und durch Widmung eben ausschließlich für die Mitarbeiter/innen. Durch so eine von der Politik unterstützte Maßnahme in Zeiten knapper Kassen könnte privates Engagement und Kapital aktiviert werden.

Timber Homes
Die beiden Geschäftsführer Robert Decker (3. v. rechts) und Josef Huber (2. v. links) mit den Gästen aus der Politik beim Event in Dorfen. Foto: Sigurd Maier / Holzbauwelt.de

 

 

 

Holzbau: 40% weniger CO2-Emissionen als konventionelle Baustoffe

Ein Aktuelle Studie zeigt: Der Holzbau erzeugt in der Produktion rund 40% weniger Kohlenstoffemissionen als mineral-basierte Arten der Baukonstruktion. Die Tegel Projekt GmbH hat am 26.01.2024 gemeinsam mit der TU Berlin eine Studie zum nachhaltigen Holzbau veröffentlicht. Diese vergleicht sechs verschiedene Arten der Baukonstruktion in Hinblick auf deren CO2-Bilanz am Beispiel des Schumacher Quartiers.

Mit dem Schumacher Quartier auf dem ehemaligen Flughafen Tegel entsteht Deutschlands größtes urbanes Holzbau-Quartier. Der mit dem Quartier verbundene CO2-Fußabdruck soll möglichst geringgehalten werden. In dem einjährigen Forschungsvorhaben mit Studierenden der Technischen Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Galina Churkina wurden die Wertschöpfungsketten im Holzbau am konkreten Beispiel des Schumacher Quartiers systematisch, empirisch und qualitativ untersucht.

Die jetzt vorliegende Studie „Wälder, Städte und ihr Kohlenstoffkreislauf – Quantifizierung der Auswirkungen verschiedener Arten der Baukonstruktion auf den Kohlenstoffhaushalt im Schumacher Quartier“ analysiert sechs Arten der Baukonstruktion, die für das Schumacher Quartier in Erwägung gezogen werden, und liefert wichtige Erkenntnisse zu den folgenden Fragen:

  1. Welche Arten der Baukonstruktion sind am klimafreundlichsten im Hinblick auf ihre Kohlenstoffemissionen und die Kohlenstoffbindung?
  2. Welche Baustoffe und Gebäudeteile leisten den größten Beitrag zu den Kohlenstoffemissionen bei Produktion, Fertigung und Transport und welche Baustoffe binden den meisten Kohlenstoff?
  3. Ist der Einsatz von regionalem Holz und anderen regionalen Rohstoffen immer am klimafreundlichsten?
Holzbau
Podiumsdiskussion und Vorstellung der Holzbaustudie in Berlin: „Wie sieht nachhaltiger Holzbau der Zukunft aus?“ Foto: Tegel Projekt GmbH

Kalkstein, Stahlbeton und Ziegel haben das geringste Potenzial zur Kohlenstoffbindung

Die Ergebnisse zeigen, dass holzbasierte Arten der Baukonstruktion im direkten Vergleich in der Produktion rund 40 Prozent weniger Kohlenstoffemissionen erzeugen als mineralbasierte Arten der Baukonstruktion. Mineralische Baustoffe wie Kalkstein, Stahlbeton und Ziegel haben das geringste Potenzial zur Kohlenstoffbindung. Im Gegensatz dazu weisen holzbasierte Bauweisen aufgrund der höheren Mengen an organischen Materialien ein höheres Kohlenstoffbindungspotenzial auf. Die Kohlenstoffbindung in biomasse-basierten Gebäuden reicht von 21,5 kt bis zu 70,3 kt und ist daher 4- bis 19-mal so groß wie bei mineralbasierten Arten der Baukonstruktion. Außerdem spielen Transportwege eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Kohlenstoffemissionen, wobei die Transportemissionen in hohem Maße von dem transportierten Gewicht abhängen.

„Die Studierenden der TU Berlin konnten für uns anwendungsorientiert, anhand eines konkreten Beispielgebäudes, die Vorteile des Holzbaus hinsichtlich geringerer Kohlenstoffemissionen und eines höheren Kohlenstoffbindungspotenzials nachweisen. Diese Ergebnisse haben Implikationen für nachhaltige Baupraktiken im Schumacher Quartier und weisen darauf hin, dass holzbasierte Bauweisen auch darüber hinaus eine vielversprechende Möglichkeit zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks im Bauwesen bieten. Wir freuen uns auf den weiteren vertiefenden fachlichen Austausch, damit bald vom Schumacher Quartier ein wichtiges Signal für die Bauwende ausgehen kann“, sagt Gudrun Sack, Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH nach Veröffentlichung der Studie.

Der Holzbau unterstützt durch den geringeren Kohlenstoffausstoß die Klimaziele

„Die wegweisende Planung des Schumacher Quartiers, die auf den Einsatz von lokalem Holz setzt, erwies sich als ideale Fallstudie, zur tiefgreifenden Analyse umweltfreundlicher Baustoffe. In einer Zeit, in der nachhaltiges Bauen von entscheidender Bedeutung ist, zeigen unsere Ergebnisse vielversprechende Wege auf, wie der Einsatz von biomasse-basierten und emissionsarmen Baustoffen einen signifikanten Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten kann,“ ergänzt Prof. Dr. Galina Churkina von der Technischen Universität Berlin.

Holzbau
Laut einer Studie der Tegel Projekt GmbH mit der TU Berlin erzeugt der Holzbau 40 % weniger Kohlenstoffemissionen als mineralbasierte Baustoffe in der Produktion. Foto: Sigurd Maier / Holzbauwelt.de

Tegel Projekt GmbH

Die Tegel Projekt GmbH entwickelt im Auftrag des Landes Berlin die Flächen des ehemaligen Flughafens Tegel zu einem Innovationspark für urbane Technologien, Berlin TXL – Urban Tech Republic, und einem smarten Wohnquartier, dem Schumacher Quartier. Das landeseigene Unternehmen beschäftigt ca. 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich u. a. mit den Planungen für den Hochbau und die technische, energetische und verkehrliche Infrastruktur sowie mit der Vermarktung und der Kommunikation des Projektes in der Öffentlichkeit befassen.

Die gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin erstellte Studie ist die erste Veröffentlichung der neuen Reihe URBAN TECH STUDIES.

Quellen: Tegel Projekt GmbH, Holzbauwelt.de

Circular Wood – Forschungsbericht Kreislaufwirtschaft im Holzbau

Konkretes Projektziel von circularWOOD ist es, einen Beitrag zur Skalierbarkeit der Kreislauffähigkeit von Holzbauten in Deutschland zu leisten. Dazu müssen zwei Ebenen adressiert werden. Die Ebene der theoretischen Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung sowie die Ebene der Erfahrungen aus der Umsetzungspraxis.

Aus diesen Fragestellungen von circularWOOD werden konkrete Projektziele abgeleitet zu den Potenzialen des modernen Holzbaus im Kontext einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft:

■ Einordnung des kreislaufgerechten Bauens mit Holz und damit verbundenen Themen in den übergeordneten Forschungsstand zur Kreislaufwirtschaft und den zur Kreislaufwirtschaft im Holzbau.

■ Synthese der Erfahrungen aus der Umsetzung von Pilotprojekten im Kontext des Potenzials des industrialisierten, modernen Holzbaus.

■ Ableitung von Empfehlungen für (politische) Entscheidungstragende und Akteur:innen in der Planungs- und Umsetzungspraxis.

Der Fokus von circularWOOD liegt auf der kreislaufgerechten Umsetzung von Holzbauten in Deutschland. Damit soll eine Bestimmung der Rahmenbedingungen für Planungs- und Bauprozesse und Regularien, die auf Landesebene unterschiedlich sind, ermöglicht werden. Allerdings ist der moderne Holzbau in seiner Entwicklung in den Ländern des D-A-CH-Raumes übergreifend verknüpft.

Durch die Kooperation der Technischen Universität München mit der Hochschule in Luzern werden die Erfahrungen aus der Umsetzungspraxis in Deutschland durch solche in der Schweiz angereichert. Dadurch ist die Überprüfbarkeit gewährleistet, inwiefern national unterschiedlicher Rahmenbedingungen die Skalierbarkeit beeinflussen.

circularWOOD
Der Fokus von circularWOOD liegt auf der kreislaufgerechten Umsetzung von Holzbauten in Deutschland. Foto: Holzbauwelt.de

Notwendigkeit für eine Betrachtung der Kreislauffähigkeit im Holzbau

Die Bauindustrie hat einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt. Sie ist nach Angaben der Vereinten Nationen für etwa 40 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen und mehr als die Hälfte des weltweiten Ressourcenverbrauchs verantwortlich. Um diese Emissionen zu reduzieren und die planetaren Grenzen zu beachten, sind nachhaltige Ressourcennutzung, der Einsatz erneuerbarer Ressourcen und der möglichst lange Verbleib von Baustoffen im Stoffkreislauf notwendig. Die Umsetzung von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft im Holzbau wird umfassend diskutiert.

Das Forschungsprojekt circularWOOD greift relevante Fragestellungen zur Übertragung zirkulärer Prinzipien auf den modernen Holzbau auf. Der Bericht liefert einen Überblick zu den Erkenntnissen in der Literatur, analysiert Hemmnisse und Potenziale aus Sicht der Holzbaubranche, fasst Erfahrungen aus ersten Umsetzungsprojekten zusammen und skizziert Elemente für ein zukünftiges Bild der Kreislaufwirtschaft im Holzbau. Im Fokus des Projekts steht eine hochwertige stoffliche Nachnutzung,

Projektteam, Organisation, Kooperationspartnerinnen von circularWOOD

Das Projekt wird von zwei Forschungspartnerinnen, die eine langjährige Forschungszusammenarbeit über zahlreiche Projekte aufgebaut haben, durchgeführt:

■ Technische Universität München (TUM), School of Engineering and Design, Lehrstuhl für Architektur und Holzbau

■ Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Institut für Architektur (IAR), Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP)

Arbeitspakete

Für die Beantwortung der Forschungsfragen ist das Projekt in folgende Arbeitspakete gegliedert:

  • Themen- und Stakeholderanalyse
  • Design for Disassembly (DfD)
  • Zukunftsszenarien
  • Kommunikation (siehe Anlage III)

Dieses Projekt wurde gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) aus Mitteln des Innovationsprogramms Zukunft Bau.

AUTORINNEN des Forschungsprojektes circularWood: Dr. Sandra Schuster, TU München und Dr. Sonja Geier, Hochschule Luzern.

Hier geht es zum Forschungsbericht circularWOOD Paradigmenwechsel für eine Kreislaufwirtschaft im Holzbau.

 

Der Aufstieg der Holzbauweise im mehrgeschossigen Bauen

Die Baubranche erfährt derzeit einen bedeutenden Wandel, da immer mehr Bauprojekte auf die Holzbauweise setzen. Diese Entwicklung erstreckt sich über verschiedene Bereiche, von Mehrfamilienhäusern bis hin zu modernen mehrgeschossigen Büro- und Verwaltungsgebäuden. In diesem Artikel werden die Gründe für diesen Trend und einige bedeutende Belege für die verstärkte Nutzung von Holz im Bauwesen beleuchtet.

Nachhaltigkeit als treibende Kraft: Ein wesentlicher Faktor, der den aktuellen Trend zur Holzbauweise vorantreibt, ist die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Bauprojekten. Holz, als nachwachsender Rohstoff, erfreut sich steigender Beliebtheit aufgrund seiner Umweltverträglichkeit. Im Vergleich zu herkömmlichen Baustoffen wie Beton und Stahl verursacht die Holzproduktion weniger Umweltauswirkungen, was in Zeiten des Klimawandels und steigenden Umweltbewusstseins besonders relevant ist.

Die innovative Holzbauweise ermöglicht flexible Gebäudetypen für Unternehmen

Technologische Innovationen im Holzbau: Die Holzbautechnologie hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, was den Einsatz von Holz in größeren und komplexeren Strukturen ermöglicht. Lamellierte Holzkonstruktionen und innovative Holzwerkstoffe wie Brettsperrholz (CLT) bieten nicht nur hohe Stabilität, sondern ermöglichen auch eine flexiblere Gestaltung von Gebäuden. Diese Technologien tragen dazu bei, die traditionellen Grenzen der Holzbauweise zu überwinden und eröffnen neue Möglichkeiten für Architekten und Bauherren.

Gesetzliche Rahmenbedingungen und Förderungen: Regierungen und lokale Behörden erkennen die Vorteile der Holzbauweise und implementieren zunehmend Gesetze und Vorschriften, die den Einsatz nachhaltiger Baustoffe fördern. Darüber hinaus werden in vielen Regionen finanzielle Anreize und Förderprogramme für Holzbauprojekte angeboten. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den Umstieg auf Holz als Baustoff attraktiver zu gestalten und unterstützen die Bauindustrie bei der Umsetzung nachhaltiger Bauprojekte.

Holzbauweise
Die innovative Holzbauweise ermöglicht den Bau von mehrgeschossigen Verwaltungsgebäuden. Foto: Gumpp & Maier GmbH

Ästhetik und Architektur: Neben ökologischen und technologischen Faktoren spielt die Ästhetik eine entscheidende Rolle im Erfolg der Holzbauweise. Die natürliche und warme Ausstrahlung von Holz findet Anklang bei Architekten und Bauherren, die nicht nur nach umweltfreundlichen, sondern auch nach ästhetisch ansprechenden Baulösungen suchen. Die Verwendung von Holz ermöglicht es, modernes Design mit einer natürlichen Note zu verbinden, was zu einer gesteigerten Beliebtheit dieses Baumaterials führt.

Erfolgreiche Referenzprojekte als Inspiration: Schlussendlich tragen erfolgreiche Holzbauprojekte dazu bei, den Trend weiter zu verstärken. Ob es sich um beeindruckende Mehrfamilienhäuser, innovative Bürogebäude oder nachhaltige Verwaltungsgebäude mit hoher Energieeffizienz handelt – diese Referenzprojekte dienen als Inspiration und zeigen, dass Holz nicht nur eine ökologische Wahl, sondern auch eine technisch und ästhetisch überzeugende Option im zeitgenössischen Bauwesen ist.

Fazit: Die verstärkte Nutzung von Holz im Bauwesen ist mehr als ein vorübergehender Trend; sie spiegelt eine tiefgreifende Veränderung in der Baubranche wider. Getrieben von Nachhaltigkeitsbestrebungen, technologischen Fortschritten, unterstützenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Ästhetik von Holz, zeichnet sich die Holzbauweise als eine zukunftsweisende und vielseitige Option für die Bauindustrie ab.

Immobilienwirtschaft braucht Innovation und Nachhaltigkeit

Steckt die Immobilienwirtschaft in der Krise oder braucht sie neue innovative Geschäftsmodelle? Die internationale Immobilienmesse EXPO REAL in München vom 4.-6. Oktober 2023 hat in vielen Podiumsdiskussionen und Gesprächen mit Marktteilnehmern gezeigt, dass ein generelles Umdenken aufgrund der herrschenden Rahmenbedingungen in der Baubranche angesagt ist.

Die langanhaltende Phase extrem niedriger Zinsen hatte der Immobilienbranche außerordentliche Bedingungen geschaffen, die mit einhergehenden steigenden Bauzinsen und Materialkosten nun nicht mehr gegeben sind. In der aktuellen Krise sortiert sich die Branche neu.

Die Nachfrage nach Wohnraum in Ballungsgebieten ist nach wie vor hoch, wie kann bezahlbarer Wohnraum durch Wohnbaugesellschaften, Kommunen und Investoren geschaffen werden? Welche Überlegungen müssen hierbei angestellt werden?

Chancen der Immobilienwirtschaft im Neubausegment

Über Probleme in der Immobilienwirtschaft zu lamentieren bringt die Branche nicht weiter. Jetzt gilt es neue Chancen zu ergreifen, die mit dem Klimaschutz und der Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum einhergehen.

Immobilienwirtschaft
Hohe Vorfertigung, schnelle mehrgeschossige Bauweise mit Holzmodulen. Foto: Holzbauwelt.de

Hier sind einige Überlegungen, die dabei eine wichtige Rolle spielen:

  1. Sozialer Wohnungsbau: Wohnbaugesellschaften und Kommunen können den sozialen Wohnungsbau fördern, indem sie gezielt Wohnungen für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stellen. Dies erfordert oft staatliche Unterstützung und Anreize, um die Kosten für Investoren zu senken.
  2. Innovative Finanzierungsmodelle: Investoren können von staatlichen oder kommunalen Finanzierungsprogrammen profitieren, die den Bau von bezahlbarem Wohnraum erleichtern. Beispielsweise könnten Steuervergünstigungen oder niedrige Zinssätze für Darlehen angeboten werden.
  3. Flächennutzung optimieren: Städte und Kommunen sollten die Flächennutzung optimieren, um mehr Wohnraum in bereits dicht besiedelten Gebieten zu schaffen. Dies kann die Umwandlung von Industrie- oder Gewerbegebieten in Wohngebiete beinhalten.
  4. Verdichtung und vertikale Entwicklung: In einigen Fällen ist die Vertikale, d.h. der Bau von Mehrfamilienhäusern und Hochhäusern, eine Möglichkeit, um mehr Wohnraum auf begrenztem Raum zu schaffen.
  5. Öffentlich-private Partnerschaften: Die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren kann dazu beitragen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Gemeinsame Investitionen und Ressourcen können die Kosten reduzieren.
  6. Nachhaltiges Bauen: Der Einsatz nachhaltiger Baumaterialien und energiesparender Technologien kann langfristig die Betriebskosten senken und den Wohnraum bezahlbarer machen.
  7. Mietpreisregulierung: In einigen Ländern und Städten gibt es Mietpreisregulierungen, die die Mietkosten begrenzen. Dies kann dazu beitragen, dass Wohnraum bezahlbar bleibt, sollte jedoch mit Vorsicht angewendet werden, um negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt zu vermeiden.
  8. Soziale Integration: Bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist es wichtig, soziale Integration zu fördern. Dies kann durch die bewusste Planung von gemischten Wohnvierteln und die Bereitstellung von sozialen Diensten erreicht werden.
  9. Langfristige Perspektive: Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum erfordert eine langfristige Perspektive. Investoren, Wohnbaugesellschaften und Kommunen müssen langfristige Strategien entwickeln, um die Nachfrage nach Wohnraum langfristig zu decken.
  10. Partizipation und Beteiligung: Die Beteiligung der Bürger und der lokalen Gemeinschaften an Entscheidungsprozessen und Planungen kann dazu beitragen, Akzeptanz und Unterstützung für bezahlbaren Wohnraum zu gewinnen.

Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Ballungsgebieten erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise und die Bereitschaft aller Beteiligten, zusammenzuarbeiten, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen und eine ausgewogene Entwicklung zu fördern.

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und der klimafreundliche Holzbau

Neben wirtschaftlichen Aspekten eröffnet auch die klimafreundliche Holzbauweise interessante Perspektiven. Sie ist nicht nur wettbewerbsfähig, sondern punktet auch mit einer positiven CO2-Bilanz. Sowohl im Neubau als auch beim Umbau kann der serienmäßige Einsatz von Holz die Kosten senken und die Baugeschwindigkeit erhöhen. Dies zeigt, dass die Krise für mutige und innovative Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten bietet.

Dass bereits heute attraktive mehrgeschossige Gebäude in Holzbauweise gefertigt werden, ist in der Immobilienwirtschaft noch viel zu wenig angekommen. Investoren und Kommunen können hier erhebliche Potentiale sowohl beim Wohnungsneubau wie auch im Gewerbebau heben.

Immobilienwirtschaft
Mehrgeschossige Gebäude in klimafreundlicher Holzbauweise bestechen mit hoher Vorfertigung und schnellerer Bauweise als konventionell gebaute Gebäude. Foto: Holzbauwelt.de

Standardisierung und serielles modulares Bauen

Der größte Hebel beim Bauen liegt nach wie vor in der Bauplanung. Standardisierung sowie serielles und modulares Bauen mit Holz sind Ansätze, die durch Effizienz- und Rationalisierungsgewinne erhebliches Potenzial zu Kosteneinsparungen im Wohnungsbau bergen. Durch Serienfertigung und /Nutzung von standardisierten Elementen und Modulen sind Material- und Herstellungskosteneinsparungen sowie eine Verkürzung der Bauzeiten und Arbeitskosten auf der Baustelle zu erzielen. Gleichzeitig reduzieren sich durch einfache Gebäudeformen, Grundrisse und die Beschränkung von Details die Planungsaufwände und Baukosten. Um diese Kosteneinsparpotenziale zu heben, braucht es allerdings beschleunigte Genehmigungsverfahren sowie die Vereinfachung von baurechtlichen und bautechnischen Vorgaben

Umnutzung und Sanierung von Gebäuden

Die Umnutzung oder Sanierung von Gebäuden bietet vielversprechende Möglichkeiten. Diese Projekte sind nicht nur zeitsparender als Neubauten, sondern auch kostengünstiger – im Durchschnitt um rund die Hälfte. Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen zufolge könnten deutschlandweit etwa 235.000 zusätzliche Wohnungen geschaffen werden, wenn dieses Potenzial genutzt wird.

Potential durch Aufstockungen im Gebäudebestand

Das ökologische Potenzial durch Aufstockungen, Umwandlungen und Nachverdichtung bereits genutzter/versiegelter Flächen ist vor allem im Bereich der Vermeidung von Flächenverbrauch an Bodenfläche sehr bedeutsam. Im Vergleich zu Neubauvorhaben wird für Aufstockungen und Verdichtung bereits bebauter Flächen kaum neue Siedlungs-und Verkehrsfläche in Anspruch genommen, da vorwiegend auf bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden kann.

  • 1,1 Mio. bis 1,5 Mio. Wohneinheiten auf Wohngebäuden der 1950er-bis 1990er-Jahre
  • 20.000 Wohneinheiten oder soziale Infrastruktur auf Parkhäusern der Innenstädte.
  • 560.000 Wohneinheiten durch Aufstockung von Büro-und Verwaltungsgebäuden.
  • 350.000 Wohneinheiten durch Umnutzung des Überhangs (Leerstand) von Büro-und Verwaltungsgebäuden.
  • 400.000 Wohneinheiten auf den Flächen von eingeschossigem Einzelhandel, Discountern und Märkten, bei Erhalt der Verkaufsflächen.

In der Gesamtheit bieten die betrachteten Gebäudetypologien ein Potenzial von 2,3 Mio. bis 2,7 Mio. Wohnungen.

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