Die Stadt von morgen wächst aus Holz – Münchens Prinz-Eugen-Park als Vorbild für ganz Deutschland

Deutschlands größte Holzbausiedlung steht in München. Im Prinz-Eugen-Park wurden rund 570 Wohnungen in moderner Holzbauweise errichtet. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich Klimaschutz, Wohnqualität und Energieeffizienz erfolgreich miteinander verbinden lassen – und warum Holzbau die Zukunft des Bauens ist.

Nachhaltiger Holzbau in München: Klimaschutz mit Signalwirkung

Die bis zu siebenstöckigen Holzhäuser im Prinz-Eugen-Park speichern gemeinsam über 12.000 Tonnen CO₂. Damit beweist das Quartier, dass nachhaltiges Bauen längst nicht mehr Nische, sondern großstadttauglich ist. Auch energetisch setzt das Modell Maßstäbe: Neben dem KfW-55-Standard wurden in Teilen sogar Passivhäuser nach KfW-Effizienzhaus 40 Plus realisiert. Gerade in Holzbauweise lassen sich diese hohen Standards mit vergleichsweise geringem Mehraufwand umsetzen.

Schneller bauen durch Holzbauweise

Ein weiterer Vorteil: Tempo in der Bauphase. Durch die industrielle Vorfertigung der Bauteile konnten die Bauzeiten erheblich verkürzt werden – ein entscheidender Faktor in Zeiten von Wohnungsnot und steigendem Druck auf die Bauwirtschaft. Architektonisch bietet die Siedlung Vielfalt: von reiner Holzbauweise über Mischformen bis hin zur Hybridbauweise. Das Ergebnis ist ein modernes, lebendiges und ökologisches Quartier mit Signalwirkung für ganz Deutschland.

Prinz-Eugen-Park
Holzbau in München: Ein Wohngebäude im Prinz-Eugen-Park, der größten Holzbausiedlung Deutschlands mit 570 Wohnungen. Foto: Sigurd Maier / Holzbauwelt.de

Wie entschied sich München für die Holzbauweise?

1. Stadtentwicklung & Rahmenplan

2005 erwarb die Stadt München das Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne (ca. 30 Hektar). Ein städtebaulicher Wettbewerb (2008) legte die Basis für die Quartiersentwicklung. Sieger war das Büro GSP Architekten & Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten.

2. Politische Beschlüsse und Stadtratsauftrag

  • 2015 beschloss der Münchner Stadtrat die Umsetzung einer ökologischen Mustersiedlung in Holzbauweise.
  • Parallel wurde ein städtisches Förderprogramm aufgelegt, um die Mehrkosten gegenüber konventionellem Bauen abzufedern.

3. Konzeptvergabe statt Höchstpreisprinzip

  • Grundstücke wurden nicht nach dem Höchstgebot vergeben, sondern nach Qualität der Konzepte.
  • Nachhaltigkeit, Holzanteil und Energieeffizienz waren zentrale Kriterien.

4. Nachhaltigkeits- und Qualitätskriterien

  • Ein eigener Kriterienkatalog definierte Vorgaben für Gebäudeplanung, Energieeinsparung, Baustoffwahl, Haustechnik, Außenanlagen und Artenschutz.
  • Maßgeblich war der Anteil an nachwachsenden Rohstoffen (nawaros) pro Quadratmeter Wohnfläche.

5. Förderung und Zuschüsse

  • Insgesamt stellte die Stadt München rund 13,6 Millionen Euro Fördermittel bereit.
  • Die Höhe der Zuschüsse war abhängig vom Holzanteil sowie von der Gebäudeklasse.

6. Qualitätssicherung & technischer Anspruch

  • Ein Ratgeber-Gremium begleitete die Planungen, um sicherzustellen, dass Anforderungen an Brandschutz, Tragwerk, Schallschutz und Holzanteil erfüllt wurden.

Münchens Holzbau-Modell: Übertragbar auf andere Städte

Baustein Inhalt
Ökologische Mustersiedlung Teilbereich des Quartiers mit verbindlichen Holzbau-Vorgaben
Konzeptvergabe Grundstücksvergabe nach Nachhaltigkeits- und Baukonzept statt Höchstpreis
Fördermittelmodell Zuschüsse abhängig vom Holzanteil und der Gebäudeklasse
Kriterienkatalog Vorgaben zu Energieeffizienz, Materialien, Haustechnik und Ökologie
Hybrid- und Variabilitätsmodell Holzrahmenbau, Massivholzbau und Hybridlösungen je nach Baufeld

Dieses Modell zeigt: Mit klaren Vorgaben, Förderung und Qualitätssicherung lässt sich moderner Holzbau erfolgreich umsetzen – auch im großstädtischen Maßstab.

Holzbau-Unternehmen präsentieren Projekte auf Holzbauwelt.de

Die Holzbau-Unternehmen, die Münchens größte Holzsiedlung mitgestaltet haben – darunter Gumpp & Maier GmbH und Huber & Sohn GmbH & Co. KG – präsentieren ihre realisierten Projekte auf Holzbauwelt.de

lebt in Stuttgart und betreibt als unabhängiger Holzhaus-Experte aus Leidenschaft verschiedene Blogs und das Portal holzbauwelt.de. Er informiert über Trends im Wohnungs- und Gewerbebau mit dem Baustoff Holz für Bauherren, Investoren, Planer im modernen Holzbau. E-Mail senden