Nachhaltige Stadtentwicklung durch urbanen Holzbau

Ein Modellquartier für den urbanen Holzbau wird ab 2021 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel u.a. das Schumacher Quartier, entwickelt. Die Technische Universität Berlin (TU Berlin) und das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) haben im November 2020 die Ergebnisse ihrer Potenzialanalyse „Bauhütte 4.0 – Innovations- und Produktionsstandort für den urbanen Holzbau“ vorgestellt. Die Studie wurde von der landeseigenen Tegel Projekt GmbH beauftragt.

Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit, der angesichts der wachsenden Bedeutung nachhaltigen Bauens eine Renaissance erlebt. Und das, obwohl Holzbau derzeit noch 10-15% teurer als Massivbau ist. Der ökologische und nachhaltige Werkstoff Holz wird in Zukunft eine wichtige Rolle im Hausbau spielen. Die hervorragenden Eigenschaften des Baustoffes Holz werden dabei auch insbesondere im mehrstöckigen Hausbau Verwendung finden. Digitalisierung, Automatisierung und Standardisierung sind der Schlüssel für das wirtschaftliche Bauen mit Holz. Der Holzbau findet damit nicht mehr vorwiegend im kleinmaßstäblichen Haus- und Innenausbau statt, sondern er wird auch für den mehrgeschossigen und den kommunal geförderten Wohnungsbau zum Standard.

Weltweit größtes Viertel im urbanen Holzbau entsteht im Schuhmacher-Quartier

Ab 2021 entsteht nun im östlichen Teil des ehemaligen Flughafens Tegel das mit mehr als 5.000 Wohnungen größte Holzbau-Viertel weltweit: das Schumacher Quartier. Klimaneutral soll es sein und auch bezahlbar – sowohl für Bauherren als auch für die späteren Mietparteien. Hier soll ein System etabliert werden, mit dem mittelfristig um 20-25 % günstiger gebaut werden kann als bei konventioneller Bauweise. Dabei werden gleichzeitig 80 % klimaschädliche Emissionen eingespart.

urbanen holzbau
Stadtentwicklungsprojekte wie in Berlin-Tegel weisen auf den urbanen Holzbau. Bild: Berlin Tegel GmbH

Wie dies gelingen kann, untersuchten von Mai bis Oktober 2020 die TU Berlin und das Fraunhofer IPK. Im Rahmen der Studie wurden:

•    ein Drei-Ebenen-Wertschöpfungsmodell „System urbaner Holzbau für die Hauptstadtregion“ entwickelt,
•    Herausforderungen zur Etablierung identifiziert,
•    Handlungsempfehlungen ausgesprochen und
•    Implementierungsebenen benannt.

Im Ergebnis wurde die sogenannte Bauhütte 4.0 beschrieben, die eine Grundlage für das effiziente Bauen mit Holz in urbanem Maßstab schafft, um die CO2-Ziele auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene zu erreichen und Städte zum CO2-Speicher zu transformieren.

Der Name Bauhütte 4.0 bezieht sich auf die Idee der Dombauhütte, die auch prägender Gedanke des Bauhauses war. Der Geist der interdisziplinären Ideenschmiede von damals soll in ihr fortleben: Abermals kommen in der Bauhütte 4.0 kluge, kreative Köpfe zusammen, um auf neuen Wegen qualitatives Bauen durch industrielle Fertigung erschwinglich zu machen. Von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zum fertigen Holzbau-Quartier – in Berlin TXL soll all das an einem Ort abgebildet werden.

Bauhütte 4.0 wird zum Leuchtturmprojekt des urbanen Holzbaus

Das langfristige Ziel ist es, mit der der Bauhütte 4.0 einen internationalen Leuchtturm aufzubauen, der durch einen ganzheitlichen Digitalisierungsansatz in Kombination mit innovativer Produktionstechnologie und einer integrativen Wertschöpfungskette aus Berlin heraus die europäische Baukultur nachhaltig beeinflusst. Darüber hinaus soll der Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg durch den Aufbau einer skalierbaren Industrie profitieren und gleichzeitig eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung der gesetzten Digitalstrategie übernehmen.

Erste Schritte auf diesem Weg sind getan. Mit dem digitalen Expertenforum „Schumacher Quartier im Dialog“ wurde die Idee der Bauhütte 4.0 als Prototyp für nachhaltige Stadtentwicklung unter Fachleuten und Interessierten bereits diskutiert. Ein Mitschnitt der Veranstaltung wird in Kürze auf www.schumacher-quartier.de veröffentlicht. Die inhaltliche Vertiefung des Themas sowie Konkretisierungen zur Umsetzung sollen folgen.

Quelle + Bildmaterial: Berlin Tegel GmbH

lebt in Stuttgart und betreibt als unabhängiger Holzhaus-Experte aus Leidenschaft verschiedene Blogs und das Portal holzbauwelt.de. Er informiert über Trends im Wohnungs- und Gewerbebau mit dem Baustoff Holz und Fördermöglichkeiten für den privaten Bauherr. E-Mail senden