Sozialer Wohnungsbau in Holzbauweise

Sozialer Wohnungsbau als Vorzeigeprojekt mit vier sechsgeschossigen Holzwohnbauten in Graz. Die vier Passivhäuser mit jeweils 6 Etagen verfügen über jeweils 23 Wohnungen und sind nach den modernsten technischen Standards ausgerüstet. Insgesamt wurden 1600 m3 Brettsperrholz verbaut. Generalübernehmer Kaufmann Bausysteme aus Vorarlberg.

Die Wohnungen der Zukunft müssen sich den Bedürfnissen der Menschen – vom Single über Familien bis hin zu aktiven Senioren – anpassen, flexible Grundrisse aufweisen und vor allem leistbar sein. Ein prämiertes Projekt im Bereich „geförderter Neubau“ ist das Projekt Hummelkaserne Graz vom Salzburger Architekt Simon Speigner (sps-architekten). Kein Wunder, hat der Planer doch gemeinsam mit Kaufmann Bausysteme als Generalübernehmer und der ENW Gemeinnützige Wohnbaugesellschaft als Bauherr auf einem Teil des riesigen Areals im Südwesten von Graz den bisher höchsten Holzwohnbau Österreichs als sechsgeschossigen Wohnungsbau in Modulbauweise errichtet.

Qualität und Einhaltung des Budgets muss stimmen

Die für das Projekt verwendeten Brettsperrholz-Elemente binden den CO2-Jahresverbrauch von 160 Menschen – ein Segen für das Klima! Gerade im Bereich Holzbau versucht man sich derzeit an immer höheren Dimensionen, nicht nur im Ausland. Wichtiger ist doch, dass die Qualität der vier Sechsgeschosser Bestand hat“, ist sich Architekt Simon Speigner des nachhaltigeren Aspekts des Bauprojekts sicher.

Sozialer Wohnungsbau
Sozialer Wohnungsbau als sechsgeschossige Passivhaus Siedlung mit 92 Wohnungseinheiten © Paul Ott

Auf Grundlage einer städtebaulichen Studie der Stadt Graz sollten am Areal der ehemaligen Hummelkaserne sozialer Wohnungsbau entstehen. Die Anlage wurde mit dem der steirischen Wohnbauförderung entsprechenden Budget errichtet. Die Einhaltung dieses Kostenrahmens musste bereits im Wettbewerb garantiert werden. Kein einfaches Unterfangen für Planer und ausführende Unternehmen. „Gemeinsam mit Kaufmann Bausysteme haben wir auf eine weitsichtige und kostenschonende Planung Wert gelegt. Dennoch war es mir wichtig, dass dieser Bau ein hohes architektonisches und konstruktives Niveau aufweist“, betont der Architekt.

Sozialer Wohnungsbau mit sechs Geschossen in nur 30 Tagen

Die Baukörper bestehen aus betonierten Lift- und Stiegenhauskernen und Wand-/Deckenkonstruktionen aus vorgefertigten Brettsperrholz-Elementen. Dank der hohen Vorfertigung konnte man jeweils sechs Geschossen in nur 30 Tagen beim Wachsen zusehen. „Zudem kam BauBuche in Form von Deckenträgern zum Einsatz, die aufgrund der besseren Eigenschaften des Laubholzes um ein Drittel niedriger als Nadelholz dimensioniert werden konnten“, fügt Speigner hinzu. Die Häuser sind mineralisch gedämmt und mit geschossweise hinterlüfteten, geschlossenen Fassaden aus vertikalen Lärchenholzbrettern versehen. Die Holzoberflächen, die im Lauf der Zeit vergrauen werden, unterstreichen den eigenständigen und zurückhaltenden Charakter der gesamten Anlage und ergänzen das Bauensemble am Areal der ehemaligen Kaserne.

Der Beton im Außenbereich wurde beim sozialen Mietwohnbau aus Kostengründen also sichtbar belassen. Und das Holz im Innenbereich der Wohnräume? An dieser Stelle wird ein wunder Punkt beim planenden Architekten angesprochen: „Dass in den Wohnungen, entgegen der Absichten meines Büros, die Oberflächen der Brettsperrholz-Elemente nicht einmal teilweise sichtbar belassen, sondern vollständig mit Gipskartonplatten beplankt wurden, ist meiner Meinung nach einem unbegründeten Misstrauen gegenüber dem Baustoff Holz geschuldet. Hier wäre es einfacher, billiger und auch atmosphärisch vorteilhaft gewesen, meinem Wunsch nachzugehen und das Holz sichtbar zu belassen“, hält Speigner fest.

lebt in Stuttgart und betreibt als unabhängiger Holzhaus-Experte aus Leidenschaft verschiedene Blogs und das Portal holzbauwelt.de. Er informiert über Trends im Wohnungs- und Gewerbebau mit dem Baustoff Holz und Fördermöglichkeiten für den privaten Bauherr. E-Mail senden